Forst und Technik - Die Vielseitige

Der Moritz ist viel mehr als eine Forstraupe für die Waldarbeit. Er ist ein ferngesteuerter Geräteträger, der auch für viele andere Branchen interessant ist. Sein Konzept, die Ausstattung und Anbauräume bieten Platz und Leistung für umfassende Lösungsansätze. Dieses breite Spektrum leistet keine andere Forstraupe.

Mähen und Mulchen, Fällen und Rücken, Pflanzen und Säen, Fräsen und Häckseln – dieser unvollständige Aufzählung zeigt die Vielseitigkeit des Moritz. Seit der Markteinführung im Jahr 2016 entwickelt der Hersteller Pfanzelt Maschinenbau die Einsatzmöglichkeiten immer weiter: Von der einstigen Fällhilfe zur Forstraupe bis zum universellen Geräteträger. Es gibt zwei Modelle: FR70 mit 36-kW-Motor und FR75 mit 55 kW, jeweils ein wassergekühlter Vierzylinder-Diesel von Deutz mit einem maximalen Drehmoment von 260 Nm.

Der stärkere Motor nutzt einen Turbolader, sonst sind die Moritze komplett identisch. Pfanzelt verkauft laut eigener Aussage jährlich mehr als hundert Stück. Doch unabhängig von konkreten Zahlen: Die Bezeichnung Platzhirsch oder Marktführer ist für den Moritz sicher zutreffend. Die Basis für die große Bandbreite und viel Kraft sind drei getrennte Systeme für Fahrantrieb, Bord- und Leistungshydraulik, die per Funksteuerung bedienbar sind. Die stufenlos einstellbare Leistungshydraulik fördert bis zu 96 l/min bei 300 bar, sie versorgt bis zu vier proportionale und zwei schwarz-weiß doppeltwirkende Funktionen. Ein Multikuppler ermöglicht den schnellen Wechsel hydraulischer Anbaugeräte, zusätzlich zu der mechanischen Zapfwelle. Die Bordhydraulik mit eigener Pumpe leistet 18 l/min bei 200 bar.

Fahrantrieb

Der Fahrantrieb mit 11 kW pro Antriebsseite und 320 mm Bodenfreiheit ist in der Spurbreite um 40 cm hydraulisch verstellbar. Das verbessert die Standsicherheit, bietet Stabilität im Hang und Flexibilität beim Transport auf kleinen Anhängern. Zwei Bandbreiten sind wählbar: 250 oder 300 mm, damit beträgt der Bodendruck 0,33 oder 0,28 kg/cm². Das Raupenfahrwerk mit hydraulischer Vorspannung wurde wegen der auftretenden hohen Belastungen „auf Zug“ optimiert. So können die Bänder durch rutschige Stümpfe oder verklemmte Äste kaum ablaufen. Ein Böschungswinkel von 50° an der Front und 40° am Heck ermöglichen die Steigfähigkeit in Gräben. Querfahrten am Hang unterstützt ein automatischer Driftausgleich gegen seitliches Abrutschen. Die Fahrgeschwindigkeit bis 6 km/h ist stufenlos einstellbar. Beim Gewicht liegen beide Modelle nah beieinander: die FR70 wiegt 1 400 kg, das stärkere Modell 1 450 kg. Damit zählt der Moritz zu den leichteren, vollwertigen Forstraupen.

Anbauräume

Der Hauptanbauraum nimmt Arbeitsgeräte über eine Dreipunktaufnahme der Kat. 1 mit maximaler Hubkraft von 11 kN auf, serienmäßig mit Schwimmstellung. Verschiedene Unterlenkerkategorien erleichtern die Montage von leistungsintensiven Geräten. Die mechanische Zapfwelle überträgt die Motorkraft über eine Lamellenkupplung nahezu ohne Leistungsverlust. Dieser Anbauraum befindet sich am Heck der Raupe. Wobei: Beim Moritz entscheidet der Fahrer, wo vorn ist. Die Frontseite kann als zweiter Anbauraum genutzt werden. Dieser Kraftheber leistet maximal 7 kN Hubkraft, auf Wunsch mit Anbauplatte oder Oberlenkerpunkt, beispielsweise für Pflüge.

Der dritte Anbauraum befindet sich auf dem Moritz. Dort lassen sich mit vier Schraubpunkten eine hydraulische Traktionswinde, ein Personenschutzschirm zum Schutz vor herabfallendem Totholz bei Fällungen sowie eine Kranaufnahme zum Anheben des Moritz montieren.

Vorliefern und Mulchen

Neben der Holzernte gibt es bereits zahlreiche Anbaugeräte – und Pfanzelt entwickelt laufend neue dazu. Der Klassiker ist die Seilwinde. Die hydraulische Getriebewinde ist schwerpunktgünstig im Inneren der Raupe verbaut – und trotzdem schnell wechselbar. Diese spezielle Bauart bringt Gewichtsvorteile bei der Nutzung anderer Geräte. Mit stufenlos verstellbarer Einzugsgeschwindigkeit und variabler Seileinlaufhöhe leistet sie bis zu 7,2 t Zugkraft. Mit dem höhenverstellbaren Polterschild wird der Moritz zur Fäll-, Rücke- und Vorlieferraupe. Als weitere Windentechnik bietet der Moritz eine Hilfswinde zum Frontanbau mit 10 kN Zugkraft und maximal 50 m Seil sowie eine Traktionswinde mit allseits drehender Seileinlaufrolle.

Die Technik zur Kulturpflege heißt bei Pfanzelt Max und Moritz: Forstfräse Max, Stockfräse Max, Forstmulcher Max. Für die Fräse mit hydraulischer Klappe sind zwei Rotoren mit unterschiedlichen Werkzeugen erhältlich: 40 hartmetallbestückte, spiralförmig angeordnete Rundmeißel oder 20 fest verschraubte Klingenwerkzeuge zum Stubbenfräsen. Beim flächigen Fräsen drückt ein hydraulischer Niederhalter auch mehrere Meter hohes Schwachholz um. Die Fräse ist seitlich um 30 cm hydraulisch verschiebbar. Der Gras- und Gestrüppmulcher mit freischwingenden Werkzeugen zählt laut Pfanzelt zu den leichtesten seiner Klasse.

Säen und Pflanzen

Mit einem Modulbaukasten aus den drei Systemen Sä-Streifenfräse, Sä-Pflug und Sä-Modul mit Bunker kann Moritz auch Saat ausbringen. Das Sä-Modul wird auf die Fräse oder den Pflug aufgesattelt, um in einem Arbeitsgang den Saatweg vorzubereiten und die Saat einzubringen. Für feine oder grobe Sämereien von Bucheckern bis Kastanien sind unterschiedliche, elektrisch angetriebene Sä-Räder austauschbar, die Saatmenge ist einstellbar. Der Antrieb der hartmetallbestückten Fräszähne erfolgt mechanisch über die Zapfwelle. Mit einer Frästiefe von 250 mm entsteht eine v-förmige Grabenform.

Einen komplett automatisierten Pflanzvorgang beherrscht der Moritz mit der Containerpfl anzmaschine Plantomat bzw. Plantomat Flex. Sie trägt ein Magazin für 50 Containerpflanzen. Der hydraulisch angetriebene Plantomat öffnet das Pflanzloch durch Anheben der Humusschicht. Die Pflanzen rutschen dann direkt in den Mineralboden, wo sie beidseitig mit einem Spaten und danach mit einem Stempel maschinell angedrückt werden. Die Pflanztiefe und der Anpressdruck sind einstellbar; die Maschine schafft bis zu 120 Pflanzen pro Stunde. Der Plantomat Flex kombiniert dieses Verfahren mit einer zusätzlichen Streifenfräse am Fronthubwerk zur Vorbereitung des Pflanzplatzes. Das Flex-System bietet eine ausgewogenere Gewichtsverteilung, die höhere Flächenleistungen ermöglicht und besser für Hanglagen geeignet ist.

Herstellerunabhängig

Die Anbauräume lassen sich herstellerunabhängig nutzen, betont man bei Pfanzelt Maschinenbau. Möglich sind im Forst beispielsweise Häcksler oder Scheibenpflug, in anderen Branchen wird der Moritz mit einer Steinfräse oder mit Schneepflug eingesetzt. 

Das neueste Gerät aus eigenem Haus ist eine Trailfräse für den alpinen Tourismus. Ihre Besonderheit: Sie lässt sich in Kurven stärker anwinkeln und verdrehen als andere Modelle.

Trotz seines geringen Gewichts besteht der Moritz aus robusten Stahlbauteilen. Zur Wartung lässt sich die Motorhaube nahezu komplett öff nen. Zusatzscheinwerfer sind an zwei Positionen möglich. Für den Transport von Zubehör sind mehrere Ablagen, Haken für Ketten am Windenschild sowie ein Motorsägenhalter vorhanden. Ein großes, abschließbares Staufach beinhaltet ein Ladegerät für den Ersatzakku der Funksteuerung. Mit dieser Vielfalt sticht der Moritz aus dem Marktangebot der Forstraupen heraus.

Max Riemann

 

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