Forstmaschinenprofi - Für den Forst und mehr

Schon seit dem Jahr 2004 fertigt Pfanzelt Maschinenbau den Systemschlepper Pm Trac. Die Generation 36 des Multitalents für Forstarbeit und Landschaftspflege wartet mit einigen Neuerungen auf.

In diesem Buchenbestand wurde motormanuell gefällt: Einige Stämme sind als Langholz ausgehalten, andere in Abschnitte zerteilt. Beim Rücken ist hier Flexibilität gefragt. Genau das richtige Stichwort für die Neuanschaffung des Unternehmers Pierre von der Heidt aus Gemmerich in Rheinland-Pfalz. Er ist seit August stolzer Besitzer der ersten Serienmaschine „Pm Trac Generation 36“. Konkret entschied er sich für das Modell 3623 mit 235 PS und dem Kran 71100: Der liefert ihm zehn Meter Reichweite, ein Netto-Hubmoment von 70 Kilonewtonmetern und ein Schwenkmoment von 27 Kilonewtonmetern. Geliebäugelt habe er schon ziemlich lange mit einer Maschine dieser Art: „Eigentlich seit der Pm Trac auf dem Markt ist. 2005 habe ich mit der Brennholzproduktion angefangen, in dem Zusammenhang wurde ein vielfältig einsetzbarer Schlepper für mich interessant. Am Konzept des Pm Trac habe ihn überzeugt, dass dieser mit dem Fokus auf Forst entwickelt werde und erst in zweiter Linie ergänzend für landwirtschaftliche Einsätze ausgerüstet ist.

Dass von der Heidt sich mit der Anschaffung reiflich Zeit ließ, war in diesem Fall kein Nachteil. Er kommt in den Genuss der neuen Generation 36, mit der Pfanzelt Maschinenbau einen Meilenstein verwirklicht hat, wie es der Marketing-Verantwortliche Peter Voderholzer selbstbewusst nennt. Erstmals wird mit dem Getriebe „variaDRIVE“ ein eigens für und zusammen mit Pfanzelt entwickeltes Getriebe verbaut, das speziell auf die Anforderungen des Pm Trac zugeschnitten
ist. In Zusammenarbeit mit den Spezialisten der VDS Getriebe GmbH aus Österreich entstand ein stufenloses, leistungsverzweigtes Getriebe, dessen hydraulischer Anteil bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von sieben Kilometern pro Stunde
genutzt wird. Hiermit ist Pfanzelt ein weiterer Fortschritt bei der Fertigungstiefe gelungen: Außer dem Motor von Deutz produzieren die Allgäuer alle Komponenten selbst.

Bei den speziell für den Pm Trac entwickelten Achsen gilt besonderes Augenmerk der Vorderachse: Die hydropneumatisch gefederte Schubrohrachse mit automatischer Standverblockung bei der Kranarbeit wurde in die neue Fahrzeuggeneration übernommen. Der Schlepper steht so „stabil auf allen vier Rädern, wenn das gebraucht wird“, erläutert Voderholzer. Die Verblockung kann zusätzlich bei langsamer Fahrt manuell über einen Knopf an den Joysticks aktiviert
werden.

 

Schneller Umbau nach Straßenfahrt
Mit dem neuen Getriebe ist eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde möglich. Von der Heidt hat seinen Pm Trac für 40 zugelassen, weil die jährliche Schwerlastprüfung entfällt und eine TÜV-Prüfung nur alle zwei Jahre
nötig ist. Nach der Straßenfahrt zum Einsatzort folgen ein paar schnelle Handgriffe, schon ist der Schlepper fertig für den Forst: Kotflügel und Rückspiegel sind durch einfache Steckverbindungen werkzeuglos abnehmbar, vor Blinker und Rückleuchten werden Abdeckungen geklappt.

Bei diesem Einsatz spielt der Pm Trac seine Stärken als Rückeschlepper aus: Am Heck sind Kran und Seilwinde angebaut, mit dem selbstangetriebenen Profi-Rückeanhänger P17 von Pfanzelt mit Vierrad-Radnabenantrieb „powerDRIVE“ wird er
zur echten Achtrad-Maschine. Die Winde ist direkt unter dem Kran platziert und auch mit dem angehängten Rückewagen voll einsatzfähig, einzelne Stämme sind so schnell aus dem Bestand an den Weg beziehungsweise in Kranreichweite gezogen. Kranreichweite ist sowieso ein gutes Stichwort bei diesem Einsatzbild: Wenn motormanuell und nicht mit dem Harvester gefällt wurde, liegt das Holz eben dort, wo es fiel, und nicht „rückefreundlich“ schon etwas gebündelt nahe der
Gasse. Zwischendurch Beiseilen, das gehört bei einem Multitalent wie dem Pm Trac also zum guten Ton. Wieder drin in der Kabine geht es rein in den Bestand, um die Stammstücke einzusammeln. Hier freut sich der Fahrer über die gute Sicht  nach unten, die ihm das Zugreifen erleichtert. Lässt sich das Fahren über einen Stubben mal nicht vermeiden, erweist sich der angetriebene Rückeanhänger als hilfreich und schiebt das Gespann über das Hindernis hinweg.

 

Komfort in der Kabine: groß, leise, übersichtlich
Fahrer Tim Wypechowsky kommt in den Genuss der „Pfanzelt-XXL-Kabine“: Als wichtigstes Merkmal ist diese geräumig mit guter Rundumsicht auf den Arbeitsbereich. Die Position für die Rundumsicht ist bequem frei wählbar, da der Sitz ohne Umgreifen einfach per Joystick gedreht werden kann. Die Bedienung nahezu aller Arbeitsfunktionen erfolgt über die beiden Joystick-Armlehnen. Deren Tasten- und Hebelbelegung kann individuell gewählt und für vier Fahrer abgespeichert werden. Was bei der 36. Generation positiv auffällt, ist die verbesserte Geräuschdämmung in der Kabine: „Dazu wurden die Schwingungen des Auspuffs von der Kabine entkoppelt, und eine zusätzliche Schottwand dämpft Motorgeräusche“, berichtet Voderholzer.

Die Vielseitigkeit des Pm Trac hört aber nicht bei den Rücke-Möglichkeiten auf. In 15 Minuten können ohne Werkzeug Kran und Winde vom Heck abgebaut und auf der dafür vorgesehenen Abstützung abgestellt werden. Jetzt ist die Zapfwelle frei für das Anbaugerät der Wahl. Bei Pierre von der Heidt ist das regelmäßig ein Scheibenhacker Cheetah 45 von Ufkes Greentec, der mit seinem eigenen Kran C45F von Palfinger Epsilon beschickt wird. Für die Zapfwelle „made by Pfanzelt“ und deren Kraftübertragung findet der Unternehmer auch nur lobende Worte: „Der Betrieb ist sparsam, und es kommt eine Leistung an, für die manch anderer Schlepper mehr als 235 PS benötigt“, so von der Heidt über seine bisherige Erfahrung.

 

Vielseitig aufgestellt: Lohnbetrieb von der Heidt

Pierre von der Heidt ist Einzelunternehmer eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs mit Sitz in Gemmerich im Rhein-Lahn-Kreis. Sein Angebot ist vielfältig, im Jahresmittel liegt die Verteilung bei rund 70 Prozent Forstarbeit und 30 Prozent Landwirtschaft. Zuletzt erhöhte Käferholz den Anteil der Waldarbeit noch etwas.

Auf und um den Acker bietet er mit seinen vier Mitarbeitern Mähen, Pressen, Gülletechnik und Transporte an. Rund ums Holz ist der Betrieb von der Heidt für Baumfällungen aller Art, auch mit Hubsteiger und Klettertechnik ausgerüstet. Holzrücken kann von der Heidt mit einem Felix von Pfanzelt, den er im Sommer 2020 anschaffte, als ein hochbetagter Dasser außer Dienst gestellt wurde.

Hackschnitzel produziert der Betrieb von der Heidt mit einem Cheetah 45 von Ufkes Greentec, der Stammdurchmesser bis 45 Zentimeter packt. Abnehmer für seine Hackschnitzel sind unter anderem Reitställe und private Kunden.

Im Jahr 2005 stieg er ins Brennholzgeschäft ein und bietet Stammholz zur Selbstaufbereitung, ofenfertige Scheite und Lohnspalten an.

Der Pm Trac von Pfanzelt ergänzt den Maschinenpark seit August 2021, gefragt ist dessen Vielseitigkeit das ganze Jahr: Im Sommer beispielsweise bei der Getreideernte, in Herbst und Winter beim Holzrücken und Hacken.

Ein so vielfältiger Betrieb ist von der Heidt offensichtlich nicht herausfordernd genug, und so gründete er mit einem Partner zusammen „Taunus Pellets“ und baute in einer Maschinenhalle eine Pelletsproduktion auf, die neben klassischen Holzpellets auch Heupellets, Einstreu aus Holz, Stroh und Miscanthus sowie Schafwoll-Pellets als Dünger liefert.

 

Johanna Waid

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