Profis der Forsttechnik

Wo die besonderen Allgäuer Forstmaschinen entstehen, erlebte die Forstbetriebsgemeinschaft Mindelheim bei der Firma Pfanzelt in Rettenbach am Auerberg.

Daniel Hertling führte die Gruppe durch den 185-Mitarbeiter-Betrieb vom Rohmaterial bis hin zur glänzenden Profimaschine. Vor rund 35 Jahren gründete Paul Pfanzelt die Firma und fertigte in seinem Stadel die ersten Umbauten von Fendt Xylon und Seilwinden. Heute umfasst die Pfanzelt Maschinenbau (Pm) ein breites Programm, das europaweit von Waldbesitzern und Forstprofis genutzt wird. Als Besonderheit entwickelte die Firma 2017 die Frostraupe Moritz. Die findigen Allgäuer erfanden zudem einen besonderen Radantrieb (powerDRIVE) mit Axialkolbenverstellpumpe sogar mit Berganfahrhilfe. So können die Frostanbaumaschinen den Boden schonen.

2019 kam dann das leistungsverzweigte Stufenlosgetriebe variaDRIVE hinzu. "Mir send lauter Mächler", war ein Mitarbeiter beim Rundgang ein. Das stimmt, denn ihre Qulifikation ist, im Betrieb vielseitig eingesetzt zu werden. Stolz ist Daniel Hertling auf die Firmenphilosophie, "alles was man anlangen kann, selbst zu machen." Dazu haben sie die modernsten Bearbeitungsmaschinen in ihren Hallem mit 20.400 m². Als Bonus für alle Kunden kann Pfanzelt noch nach vielen Jahren Ersatzteile herstellen. Weil ihre Maschinen so vielseitig und ausgereift sind, können sich Interessierte auf hochwertigste Forsttechnik "Appetit holen". Meist, so Hertling, kommen Kunden mit dem Pfanzelt-Trac in Kontakt, dann werden die Möglichkeiten und Bedürfnisse abgewogen.

Entscheidung muss reifen

Oft beobachtet Hertling, wie die Kunden bis zur Entscheidung für ihre Maschine mehrere Monate bis zu einem Jahr die Sache reifen lassen, dann wird gekauft. "Entscheidend ist das Erleben der Technik" beim Ausprobieren in der wegseigenen "forstARENA". Ebenso stellt Pfanzelt die bewährten "Schlang & Reichart"-Maschinen her. Teils sind sie ganz eigenständig, teils identisch mit Pfanzelt. 2013 übernahm Pfanzelt die Firma, in der einst ihr Gründer sein Können gelernt hat.

Bedeutsam ist, selbst die S-line Getriebeseilwinden auf Profi-Niveau herzustellen und das auf Preisebene einer Kettenseilwinde. Sie haben bis 110 m Seillänge und bis 7,2 t Zugkraft. Eine Stufe höher kommen die Profi-Getriebeseilwinden. Seillängen bis 175 m und 10 t Zugkraft sind geboten. Integrierte Seilwinden für gewerbsmäßige Maschinen nützen den extremen Hebelweg, im Arbeitsfahrzeug zu sein.

Beim Gespräch mit den Anwendern erkennt der Vertriebsspezialist, dass Seilwinden auch wieder gebraucht verkauft werden. Während der Seilausstoß nur wenige Tausend Euro kostet und beim Einsatz ständig Vorteile bringt, zahlt er sich beim Gebrauchtgerät mehr als aus. Ab einem 12-mm-Seil sieht Hertling die Notwendigkeit wegen des steigenden Seilgewichts. Ein Kunststoffseil wäre hier ebenfalls eien Variante bei einem Zehntel Gewicht. Meist bleibt man beim Stahlseil, weil es länger hält und günstiger ist.

Ebenso ein Bonus ist die Seileinlaufbremse, womit sich das Seil leicht gespannt zwischen den Seillagen auf die breite Trommel legt. Die "Alpin"-Erfahrung von Pfanzelt kommt hier zum Tragen: Wenn etwa der Stamm rutscht und die Seilspannung von selbst abfällt, verhindert es unordentliches Spulen. Das schont Maschine und Seil.

Zur optimalen Arbeit hat Pfanzelt dreierlei Modi für das Zusammenspiel von Kupplung und Bremse mit dem "PPS-Controller", die per Funk vorgewählt werden kann. Soll die Winde an der Fronthydraulik arbeiten, gibt es ein Umkehrgetriebe mit zweiten Zapfwellenstummel.

Auslage 10 m

Als weitere Top-Maschine erlebten die Mindelheimer Forstleute verschiedene Rückeanhänger mit Ladekran. Vor Ort hatte der Fachmann gleich die Profi-Linie ab 9 t. Sie hat einen Zentralrohrrahmen. Anders als bei der S-line geht der Kran nicht nur 6,7 m, sondern bis zu 10 m raus. Findige Landwirte nützen den Ladekarn auch für Futterballen. Die seitlichen Rungen haben dann weitere Vorteile und lassen sich 30 cm herausziehen. Ein kippbare Wanne auf dem Wagen lässt auch Ast- oder Strauchholz sachgerecht transportieren. Für den Transport von längerem Holz lassen sich der Rahmen bis zwei Meter ausziehen und die Achsen verschieben. Die Boogie-Achsen schaffen mit ihrem weiten Pendelweg extreme Bodenanpassung von fast 40 cm. Je nach Typ und Zulassung dürfen bis 80 Kilometer schnell auf den Straßen fahren.

Das Raupenfahrzeug "Moritz" schafft 32 cm Bodenfreiheit bei optimaler Steigleistung und geringem Bodendruck. Es hat leistungen von 50 und 75 PS und auf Wunsch auch einen Zapfwellenantrieb. Schwerpunkgünstig ist die Seilwinde ganz nah am Maschinenblock integriert. Auch andere Geräte lassen sich am Dreipunktheck aufbauen wie Mäher, Mulcher oder Fräsen. Besonders hervorzuheben ist sie als Aufforstmaschine mi Sästreifenfräse, Säpflug und Pflanzmaschine. Gesteuert wird die Forstraupe per Funk.

Mit dem Spezial-Forstschlepper "Felix" und dem "Pm Trac" ist das Holzrücken der Schwerpunkt. Neu aus dem System entsteht der "K Trac" für kommunale und Umweltpflege. Kern beim Pm Trac ist die große Kabine mittig mit Chassis. Die optimale Rundumsicht mit 7m³ Glasfläche lässt auch den Arbeitsplatz um 340 Grad drehen. Von 200 bis 300 PS gibt es drei Leistungsstufen. Der Systemschlepper hat eine spezielle Hinterachse mit außenliegenden Planetengetrieben. Die Kraftdrücke sind für schwere Kranarbeiten ausgelegt. Beim "Felix" ist die Kabine ganz vorn, der Kran mittig und folgend der Rungenkorb über der Hinterachse. Mit der Knick- und Achsschenkellenkung erhält er eine hohe Wendigkeit als 4- und 6-Rad-Maschine. Die Kurzversion ist mit Klemmbank als Forwarder für Langholz passend. Mit längerer Ladefläche geht Kurzholz und die Langversion lässt seinen Radstand um 1,2 m verlängern.

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