Festmeter - Neue Wege in der Pflanzplatzvorbereitung

Erstmals in Sachsen-Anhalt im Einsatz: Die Kombination aus Pfanzelt Moritz und Kulla-Gerät schließt die Lücke zwischen Forststreifenpflug und TTS-Gerät.

In Sachsen-Anhalt – und vermutlich erstmals bundesweit – kommt eine innovative Kombination aus ferngesteuertem Kompaktgeräteträger Moritz von Pfanzelt und Kulla-Gerät zum Einsatz. Verantwortlich für die Umsetzung ist die Neumühle GbR, die damit neue Maßstäbe in der mechanisierten Pflanzplatzvorbereitung setzt. Das Kulla-Gerät – made in Sweden – wird hinter einer Zugmaschine montiert und dient gezielt der Anlage von Pflanzplätzen. Entlang der Fahrspur entfernt es Bodenbewuchs und Humusauflage, sodass der Mineralboden freigelegt wird.

Technik im Detail

Das meist als Kulla-Kultivator bezeichnete Gerät heißt offiziell Moheda-Kultivator. Er ist ein Blockzahngrubber mit Dreipunkt-Aufnahme für Schlepper ab 37,5 kW (50 PS) zur Vorbereitung von Pflanzplätzen. Er arbeitet intermittierend, das heißt unterbrechend: Die Pflanzplatzlänge sowie der Abstand werden durch eine einfache Regelelektronik gesteuert. Abstand und Größe der Pflanzplätze lassen sich per Timer einstellen, können bei Bedarf jedoch auch manuell ausgelöst werden. Die Arbeitsbreite beträgt 505 mm. Das ist die Breite des Schaufelrades. Ein Antrieb ist für die Maschine an sich nicht nötig.

Mit einer Gesamtlänge von 2.085 mm, einer -Breite von 880 mm und einem Gewicht von rund 440 kg ist das Gerät kompakt und robust gebaut. Die Mittelachse ist um 25° drehbar und ermöglicht eine Anpassung an unterschiedliche Einsatzbedingungen.

Funktionsprinzip

Entlang der Fahrspur werden einzelne Pflanzplätze in gleichmäßigen Abständen angelegt, während die Zwischenbereiche unbearbeitet bleiben. Dieses Prinzip reduziert den Bodeneingriff auf das notwendige Maß und sorgt gleichzeitig für eine klare Struktur im Reihenverband.

Praxiseinordnung und Einsatz 

Zum Anlegen plätzeweiser Pflanzstreifen sowie zur Förderung der Naturverjüngung wird das Kulla-Gerät gezielt eingesetzt. In Kombination mit dem Raupengeräteträger Moritz ergeben sich dabei klare Vorteile im Bestand.

„Kullar“ ist schwedisch und bedeutet Hügel – damit lässt sich auch die Herkunft des Verfahrens verorten. Beim Kulla-Gerät wird die Rohhumusdecke, bestehend aus Gräsern, Moosen und auch geringen Mengen Schlagabraum, abgezogen und in Form eines ‚Kulla‘ abgelegt. Die sternförmig angeordneten Zinken werden dabei über eine einfache Zeitsteuerung für eine einstellbare Dauer freigegeben. Dadurch lassen sich sowohl die Länge als auch der Abstand der Pflanzplätze regulieren. Die Breite der Pflanzplätze beträgt etwa 50 cm. Durch Änderungen der Fahrgeschwindigkeit – etwa bei Hindernissen – können die Platzlängen und Abstände variieren. Das Kulla-Gerät wird hier vom Pfanzelt Moritz gezogen. Bei einem Gesamtgewicht von rund 2,5 t verteilt sich der Bodendruck durch die große Aufstandsfläche der 300 mm breiten Gummiketten so, dass er in etwa einem menschlichen Fußabdruck entspricht. Laut Hersteller der Raupe wurden entsprechende Bodendruckanalysen durchgeführt, bei denen selbst nach mehrfacher Überfahrt kaum messbare Verdichtungen festgestellt wurden. 

Mit einer Maschinenbreite von nur 1,20 m ist der Moritz sehr wendig und damit besonders für den Einsatz in engen Waldbeständen geeignet. In Kombination mit dem Kulla-Gerät ergibt sich daraus ein Verfahren, welches gut zum Unterbau von Beständen bzw. Ergänzung von Naturverjüngung geeignet ist.

Einordnung in die Praxis

In der Region ist bislang vor allem der Anbaustreifenpflug (ASP 2) verbreitet, der eine streifenweise Bodenbearbeitung vornimmt. Im Vergleich dazu konzentriert sich das Kulla-Gerät auf die gezielte Anlage einzelner Pflanzplätze. Das Kulla-Gerät ist bereits seit längerer Zeit am Markt verfügbar, wird jedoch häufig hinter kleineren bis mittelgroßen Schleppern eingesetzt. Die Kombination mit dem ferngesteuerten Kompaktgeräteträger eröffnet hier neue Einsatzmöglichkeiten. Durch die Wendigkeit der Maschine können gezielt Pflanzplätze in Femellöchern bzw. Bestandeslücken angelegt werden. 

Die punktuelle Anlage von Pflanzplätzen stellt eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Alternative zur flächigen oder streifenweisen Bodenbearbeitung dar. Der Eingriff in den Boden wird auf das notwendige Maß reduziert, während gleichzeitig Arbeitszeit und Kosten gesenkt werden. Besonders bei Unter- und Voranbauten sowie kleinflächigen Maßnahmen spielt das Verfahren seine Stärken aus.

Fazit

Mit dem erstmaligen Einsatz in Sachsen-Anhalt zeigt die Neumühle GbR, welches Potenzial in der Kombination aus ferngesteuertem Geräteträger und modernerPflanzplatztechnik steckt. Der Moritz in Verbindung mit dem Kulla-Gerät bietet eine effiziente und nachhaltige Lösung und besetzt eine Nische zwischen Forststreifenpflug und TTS-Gerät. Gerade in stark vergrasten Kiefernbeständen eröffnet das Verfahren neue Wege im Waldumbau und erweitert das Spektrum praktikabler Maßnahmen deutlich.

Martin Vogt

Martin Vogt ist Assessor des Forstdienstes und Mitglied im KWF-Arbeitsausschuss Walderschließung Er arbeitet im Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen Anhalt. Dieser Beitrag gibt jedoch seine rein persönliche Meinung und Einschätzung wieder.

 

Jetzt nachsehen | forstARENA 2023 - Naturnahes Aufforsten und naturnaher Waldumbau

Mehr zur Forstraupe Moritz erfahren
 

Produkte