Pfanzelt Maschinenbau gilt vielen als größter deutscher Forstmaschinen-Hersteller. Wer am 27. und 28. Juni das 35-jährige Firmenjubiläum in Rettenbach am Auerberg besuchte, bekam einen Eindruck davon, warum.
Dort sah man, wie rund 12.000 Besucher trotz der extremen Hitze die Wiesen vor dem Werk zeitweise vollparkten. Oder man traf auf alte Weggefährten von Paul Pfanzelt, die voller Bewunderung waren, was er seit der Firmengründung auf die Beine gestellt hat. Was sie damit meinten, sahen die Teilnehmer der Hubschrauber-Rundflüge ganz leicht aus der Luft. Dann nämlich, wenn das Firmengelände sich wie ein Teppich unter in ausbreitete und ihre Blicke auf die alte Scheune fiel, in der Paul Pfanzelt 1991 angefangen hat, Seilwinden und Rückeanhänger zu bauen.
Heute fällt sie kaum mehr auf, weil das Unternehmen seitdem um ein Gebäude nach dem anderen gewachsen ist. Mit der letzten Erweiterung hat der Forsttechnikspezialist ab 2022 für rund 16 Mio. € seine Produktionskapazität noch einmal um ein Drittel erhöht. Dazugekommen sind eine zweistöckige, 100 m lange Produktionshalle mit automatischem Hochregallager und ein Showroom, der erst kürzlich fertig geworden ist und zum Wahrzeichen der Firma Pfanzelt werden dürfte.
Einer, der das Unternehmen von Anfang an begleitet hat, ist der frühere Prüfingenieur des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF), Ekkehard Debnar. Auch er sprach mit großem Respekt von der Lebensleistung des Paul Pfanzelt, der bis heute alleiniger Gesellschafter, Geschäftsführer und immer noch Chefkonstrukteur der Firma ist. „Vor 35 Jahren“, sagt Debnar, „hat er den ersten waldtauglichen Rückeanhänger auf den Markt gebracht.“ Unter anderem, weil er Schläuche, Kabel und Züge unter dem Anhänger so verlegt hat, dass sie im Forsteinsatz nicht mehr abreißen konnten.
Diesen Rückeanhänger gab es beim Jubiläum nicht zu sehen. Trotzdem konnten die Besucher tief in die Geschichte der Firma Pfanzelt und der Rücketechnik eintauchen. Zwischen dem riesigen Maschinenaufgebot, den Demoshows, Testparcours und den Ständen der Partnerfirmen waren beim Oldtimertreffen auch viele historische Geräte versammelt.
Technik mit Geschichte
Eine Schlüsselmaschine war ein roter Schlüter Eurotrac 1300, der den Besuchern gleich am Eingang ins Auge stach. Diese Maschine aus dem Baujahr 1991 war eine der ersten, die Paul Pfanzelt in Rettenbach mit einer Forstausrüstung ausgestattet hat. Im Heck sitzt noch eine 2x8-t-Seilwindeder Firma Schlang & Reichart, bei der er vor seiner Selbststänfigkeit beschäftigt war. In der Front hat er aber schon eine hydraulische Bergewinde aus dem Hause Pfanzelt eingebaut.
Es gab eine Reihe weiterer Oldtimer, die bei Schlang & Reichart entstanden sind. Der frühere S&R-Mitarbeiter Franz Leukart wies auf folgende Highlights hin:
- Ein BTG Tatrak HZD40 aus dem Jahr 1960 mit einer S&R-Seilwinde und einem eisernen Rückeschlitten, den ein Schmied in der Jachenau gebaut hat.
- Ein seltener S&R-Rückewagen mit Stützrädern angebaut an einem MANSchlepper aus dem Jahr 1964.
- Eine S&R-Dreipunktwinde DW 320 an einem Fendt 102S aus dem Jahr 1973 mit 4 t Zugkraft. Der Fahrer sollte sie aus der Kabine des Schleppers heraus mit einem Handhebel bedienen. Über 90 % der Anwender standen dann aber doch neben ihr, obwohl sie noch keine Totmannschaltung hatte.
- Die Folgegeneration der DW 320 mit 5 t Zugkraft aus dem Jahr 1975 besaß schon eine hydraulische Steuerung, einen Bremsboden und eine Totmannschaltung. Funksteuerungen haben damals noch so viel gekostet wie die ganze Maschine.
Nicht nur die Präsenz von S&R bei den Oldtimern zeigt, dass die Firma Pfanzelt ihre Wurzeln wertschätzt. Dass Paul Pfanzelt die Marke Schlang & Reichart 2013 übernommen hat, bezeichnete ein Gesprächspartner als genialen Schachzug. Schließlich hat die 1945 gegründete Marke immer noch viele Anhänger. Pfanzelt nutzt natürlich bei S&R- und Pfanzelt-Produkten die Synergieeff ekte einer gemeinsamen Entwicklung und Produktion. Weder die Seilwinden noch die Rückeanhänger der beiden Marken sind allerdings identisch. Das lernten die Besucher spätestens bei den Werksführungen. Die Profi seilwinden hat Pfanzelt zwar modernisiert, baut sie im Kern aber immer noch mit der S&R-typischen mechanischen Überschneidung (Bremsboden) beim Ziehen und Lösen. Die S&R-Rückeanhänger hat Pfanzelt sogar komplett neu entwickelt, hat mit dem Leiterrahmen und den Flap-Down-Stützen jedoch markante Merkmale beibehalten.
Fertigung aus einer Hand
Der Rundgang durch die Produktionshallen beeindruckt auch jenseits solcher Details. Eine moderne Produktionsmaschinen reiht sich an die andere: Laserschneider, Abkantmaschinen, Schweißroboter und Bearbeitungszentren, die weitgehend automatisiert arbeiten. Ebenso wie die zwei großen automatischen Hochregallager. Besonders die Tiefenfertigung der Firma Pfanzelt ist beim Rundgang ein Gesprächsthema. Früher hat das Unternehmen viele Komponenten zugekauft: beim Pm-Trac etwa das Chassis und das stufenlose Getriebe. Heute fertigt man die Maschine fast komplett im eigenen Haus. Nur Motoren, Gussteile, Fahrersitze und diverse Kleinteile stammen von externen Lieferanten. Die Achsen, die Kabine und den Rahmen bis hin zu den Hydraulikzylindern produziert Pfanzelt selbst. Sogar das stufenlose Getriebe variaDrive.
Breites Produktspektrum
Das breite Produktspektrum der Firma Pfanzelt ist in Deutschland einzigartig. Es reicht von Seilwinden, Rückeanhängern, Forstfräsen sowie Lade- und Rückekranen bis hin zum Geräteträger Moritz FR75, zum Pm-Trac und K-Trac. Man darf davon ausgehen, dass diese Vielfalt das Unternehmen bei Nachfragefl aute ein Stück weit absichert. Waren Seilwinden oder Rückeanhänger in den letzten zwei Jahren weniger gefragt, verhält sich das beim Moritz und den beiden Tracs andersherum. Bei der Forstraupe liegt das unter anderem an der großen Auswahl an Anbaugeräten. Über 20 Moritz hatte Marketingchef Peter Voderholzer für Moritz-World der Jubiläumstage organisiert, ausgestattet für alle denkbaren forstlichen und außerforstlichen Einsätze.
Blick in die Zukunft
Auf dem Testparcour für den Moritz gab es sogar eine zukunftsweisende Neuerung zu sehen, an der Pfanzelt zusammen mit der Firma Reichert und HBC Radiomatic schon seit einiger Zeit arbeitet: einen autonom fahrenden Moritz für die maschinelle Kulturpfl ege oder das Mähen von Photovoltaikfeldern. „Wer weiß, wie schwer es ist, ein dreiviertel Jahr nach der Pflanzung die Pfl anzreihen wiederzufi nden, wird diese Entwicklung schätzen“, sagt Peter Voderholzer. Zusammen mit Reichart entsteht zudem ein automatisches Spurführungssystem mit RTK-Genauigkeit für den K-Trac. Das Jubiläum zeigte eindrucksvoll, wie bei Pfanzelt Maschinenbau aus Tradition und Innovationskraft ein moderner Produktionsbetrieb herangewachsen ist. Aus einer kleinen Werkstatt im Allgäu ist zugleich
einer der bedeutendsten Forstmaschinenhersteller Deutschlands entstanden. „Die Werte, die Beständigkeit, die Zuverlässigkeit waren bei unseren Maschinen immer oberste Priorität. Umso länger die Maschinen laufen, desto schöner ist es für uns und unsere Kunden“, sagte Paul Pfanzelt. Die Scheune, in der er immer noch bastelt, ist dabei eine Keimzelle für neue Ideen geblieben.
Oliver Gabriel
