Forstmaschinenprofi - Ein multifunktionaler Geräteträger

Die Arbeit an der Autobahn A1 bei Lohne ist gefährlich. Bäume in Fahrbahnnähe müssen mit Seilunterstützung gefällt werden, neben dem Wildschutzzaum soll das Gestrüpp entfernt werden und der kommende Aufwuchs ist niederzuhalten. Der Bewuchs an einem Graben ist zu entfernen. Da haben die beiden Moritz Fr50 und Fr75 ordentlich was zu tun.

Beim Einsatz dieser Maschinen ist Sicherheit oberstes Gebot; die Straßenmeisterei als Aufsichtsbehörde versteht in punkto Verkehrsgefährdung keinen Spaß. Das weiß der Chef des Unternehmens Hogeback Landschaftspflege GmbH nur zu gut. Stefan Hogeback (42) braucht für die Vorbereitung solch einer Maßnahme fast mehr Zeit als für die Durchführung der eigentlichen Arbeiten. Da wäre auch noch das Problem mit den Leitplanken, die das Einsatzgebiet umschließen. Die dürfen nur von einer Fachfirma abgebaut werden, damit Bagger und weitere Arbeitsgeräte zur Baustelle gelangen können. Das Abbauen kostet alleine schon rund 2.500 Euro. Aber Stefan Hogeback umgeht diese Kosten mit dem Schreitbagger Menzi Muck, der selbständig über die Leitplanke klettern kann. Danach werden die beiden Moritz-Forstraupen mit dem Kran des Menzi Muck über die Leitplanken gehoben und die Pflegemaßnahmen können beginnen. Der Arbeitsauftrag lautet, Pappeln und Birken zu entnehmen, den Wildschutzzaun dabei schonen und beidseitig von Aufwuchs und Gestrüpp befreien. Das bei der Pflegemaßnahme anfallende Material soll anschließend gehackt und entsorgt werden. Stefan  Hogeback ist mit vier Mitarbeitern vor Ort und setzt die beiden Moritz-Forstraupen erfolgreich ein, jede Raupe an ihrem zugehörigen Platz. Mit der Fr50 wird Seilunterstützung beim motormanuellen Fällen gegeben. Damit auch kein Baum nur in die Nähe der Autobahn fallen kann, wird die Fällraupe an einem Ankerbaum befestigt und der zu fällende Baum ins Seil genommen. Die Problembäume fällt der Chef persönlich, gekonnt ist gekonnt. Die Moritz Fr50 ist mit einer Dreipunktwinde versehen, die die Bäume sicher in die richtige Fallrichtung zieht. Währenddessen wird mit der Fr75 das anfallende Astmaterial gemulcht, danach soll der Wildschutzzaun von beiden Seiten
vom Aufwuchs befreit werden. Das wird ebenfalls mit dem Mulcher gemacht. Zum Schluß wird noch ein Graben freigemulcht, das geht aber nur in Schräglage, und dafür eignet sich die neue Moritz Fr75 mit der Pfanzelt-Forstfräse Max ebenfalls.

 

Die Technik der Moritz Fr75

Auf der KWF-Tagung 2016 wurde das Konzept der Fällraupe/Fällhilfe Fr50 vorgestellt. Anfangs war diese als Unterstützung des motormanuellen Holzfällers bei  Sicherheitsfällungen und für leichtes Vorrücken gedacht. Die Maschine wurde bei Gefahrfällungen an Straßen, in Parks und Gärten eingesetzt. Wo Sicherheit gebraucht wurde, aber wo mit großen Maschinen keine Möglichkeit des Herankommens war. Immer mehr Kunden äußerten dann aber den Wunsch, dass die Moritz auch in der Zeit, in der sie nicht mit der Seilwinde benötigt wird, für andere Aufgaben eingesetzt werden kann. 2017 wurde die Moritz deshalb weiterentwickelt. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Seilwinde über ein Schnellwechselsystem demontiert und ein Oberlenkerpunkt montiert werden. Somit war die Moritz mit weiteren Geräte einsetzbar. Zum Antrieb standen, als Neuheit am Markt, eine mechanische Zapfwelle sowie bis zu drei hydraulische Steuergeräte zur Verfügung. Neben den Pfanzelt-Anbaugeräten konnten über die standardisierte Dreipunktaufnahme der Kat. I auch Anbaugeräte anderer Hersteller mit der Moritz genutzt werden. Von Kunden wurden zum Beispiel Pflanzpflüge, Stockfräsen oder kleine Häcksler eingesetzt. Das Pfanzelt-Arbeitsgeräteprogramm für die Fr50 umfasste Gras- und Gestrüppmulcher mit hydraulischer Klappe und Forstfräsen, ebenfalls mit hydraulischer Klappe.

In Zusammenarbeit mit der Landesforst Brandenburg wurde eine Sä-Streifenfräse entwickelt und gebaut. Jetzt war die Moritz schon mal eine multifunktional einsetzbare Maschine, aber der Motor, ein Vierzylinder Kubota mit 35 PS und einer nicht überragenden Hydraulikleistung, war für das Mehr an Aufgaben nicht so sehr geeignet. Auf Kundenanforderung wurde dann das Konzept der neuen Raupe entwickelt. Die Kunden verlangten nach einer leistungsstärkeren Raupe für das Forstfräsen, da die am Markt vorhandenen Mähraupen für den rauen Forsteinsatz beziehungsweise Landschaftspflegeeinsatz oft nicht so sehr geeignet waren. In den kommenden Jahren, bis zum April 2020, wurde deshalb eine neue, zweite Moritz-Generation entwickelt. Diese ist dem Konzept im Ursprung treu geblieben, spielt aber technisch in einer neuen, einer höheren Liga. Das Konzept sah wie folgt aus: Man wollte eine leichte, wendige Maschine mit geringem Bodendruck, die auf Rasenflächen wenig Schäden anrichtet. Wenn man zum Beispiel für das Seilen mehr Zugkraft benötigt, wird die Moritz einfach an einem Baum gesichert und muss sich nicht in der Erde festkrallen. Die Maschine sollte auch  kompakte Abmessungen haben und mit dem Pkw-Anhänger zu transportieren sein. Eine Seilwinde sollte im Fahrzeug integriert sein und nicht in der Dreipunkt-Hydraulik. Das wäre dann schwerpunktmäßig sehr günstig und man könnte mit der Raupe auch rücken. Nach dem Slogan „Das Konzept bleibt gleich, aber alles ist neu“ bieten die zwei neuen Pfanzelt-Modelle eine Kombination der bewährte Fällraupe mit den Ansprüchen an eine multifunktional einsetzbare leistungsstarke Forstraupe. So wenig wie die Optik bei den neuen Maschinen verändert wurde, so wurde in sehr viel größerem Maße die Technik der kompakten und leistungsstarken Forstraupe überarbeitet. Als Motor ist jetzt ein wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor von Deutz mit externer Abgasrückführung und einem Turbolader beim Modell FR75 mit 75 PS vorhanden. Die FR70 wird ohne Turboaufladung geliefert und hat eine Leistung von 50 PS. Zur Serienausstattung gehört bei der Raupe ein Cleanfix-Umkehrlüfter. So hat man immer den maximalen Luftstrom für eine effiziente Kühlung und eine gründliche Reinigung. Das Hydrauliksystem der neuen Raupen ist jetzt für hohe Anforderungen ausgelegt. Im Gegensatz zur ersten Serie hat die neue Baureihe drei getrennte Hydrauliksysteme für Fahr-, Bord- und Leistungshydraulik. Über das komplett neue ergonomische Bedienteil können alle Funktionen der Forstraupe über Funk gesteuert und beobachtet werden. So ist es möglich, neben der Bedienung des Fahr- und Seilwindenantriebes auch die Anpassung der Seilgeschwindigkeit oder der Motordrehzahl vorzunehmen. Sollte das Fahrzeug kurzzeitig nicht benötigt werden, kann über die Funksteuerung auch der Motor gestoppt beziehungsweise wieder gestartet werden. Wird die Moritz-Raupe mit einem fremden Anbaugerät ausgestattet, kann auch dieses bequem über die Funksteuerung mit  bedient werden. Der Fahrantrieb spielt auch in einer neuen, in einer höheren Liga. Bei den neuen Modellen wurde der Fahrantrieb nicht nur von der übrigen Hydraulik entkoppelt in ein getrenntes System, sondern auch der Fahrantrieb selbst verfügt für beide Raupen über einen getrennten Hydraulikkreis. Dies ermöglicht einen wesentlich
höheren Bedienkomfort beim Fahren. Zwei Geschwindigkeitsstufen gibt es für die Raupe, die eine Höchstgeschwindigkeit von sechs Kilometern in der Stunde erreicht. Es gibt eine Einstellmöglichkeit über Funk, aber auch proportional, zum Ausgleich der Hangabtriebskraft bei Mäh-/Mulcharbeiten quer zum Hang. Somit kann man mit der  Einhandbedienung immer geradeaus fahren, auch wenn durch die Schrägfahrt an Böschungen die Moritz-Raupe sonst abdriften würde. Auch die Endgeschwindigkeit kann stufenlos vorgewählt werden, so dass die Raupe bei allen Geländeverhältnissen oder Arbeiten mit den unterschiedlichsten Anbaugeräten immer diese Arbeitsgeschwindigkeit einhält. Das großdimensionierte Fahrwerk und das geringe Eigengewicht der Raupe ermöglichen einen minimalen Bodendruck von nur 0,28 beziehungsweise 0,33 Kilogramm je Quadratzentimeter. Zwei Laufwerksbreiten mit 250 beziehungsweise 300 Millimetern sind lieferbar. Bodenschonendes Fahren und Arbeiten auf Nassflächen ist somit unproblematisch. Jeder Kunde, der schon einmal mit einem FR50 ein Band wegen Unachtsamkeit verloren hat, weiß, wie kräftezehrend es sein kann, dieses Band wieder zu montieren. Dies geschieht ja meistens auch nur in schwierigstem Gelände beziehungsweise im größten Schlammloch des Arbeitsgebietes. Mit der neuen Generation wurde dies komplett geändert. Die Bänder werden nun ständig hydraulisch vorgespannt, so dass ein Herunterfahren der Bänder nicht mehr vorkommen sollte. Passierert es  trotzdem einmal, kann mit dem passenden Schlüssel in weniger als einer Minute das Band entspannt, wieder auf das Leitrad gesetzt und danach gespannt werden. Und das alles werkzeuglos. Ein positiver Effekt für ein deutlich selteneres beziehungsweise nicht vorkommendes Abspringen des Bandes ist die Tatsache, dass das Laufwerk-Design komplett überarbeitet wurde. Unter anderem wurden das Leit- und Antriebsrad in der Position getauscht. So entsteht beim Fahren kein Kettenbauch mehr, der eventuell zu einem Abspringen der Ketten führen kann. Wie auch beim Fr50 kann bei der neuen Generation das Fahrwerk hydraulisch um 400 Millimeter verbreitert werden. Die Raupe  kann so sicher im Hang eingesetzt werden. Ein Böschungswinkel von 50 Grad an der Front beziehungsweise 40 Grad am Heck, ermöglicht eine große Steigfähigkeit und ein unkompliziertes Einfahren von der Forststraße den Bestand. Die Bodenfreiheit beträgt 320 in Millimeter und die Raupe kann problemlos in allen Richtungen in einem  hundertprozentigen Gefälle fahren. Zur Sicherung im Steilhang ist optional eine Hilfswinde erhältlich, die 360 Grad um das Fahrzeug herum verwendet werden kann, zum Beispiel auch beim Umdrehen im Hang mit einer Forstfräse. Die Winde besitzt eine Tonne Zugkraft und ist mit 50 Meter Seil bespannt. Die Steuerung der Winde geschieht über den Funk der Raupe. Zwei Anbauräume gibt es optional. Neben der serienmäßigen Dreipunkthydraulik im Heck kann die Moritz-Raupe optional auch mit einer zweiten Dreipunkthydraulik an der Frontseite ausgestattet werden. Somit kann das Fahrzeug zwei Arbeitsgeräte auf einmal aufnehmen. Am Markt einzigartig ist die mechanische
Zapfwelle. Hier ist der geringste Leistungsverlust, keine Ölerwärmung entsteht und man bringt die Leistung des Motors fast verlustfrei zum Arbeitsgerät. Für den Fäll- und Rückeeinsatz beziehungsweise zum Vorliefern kann die Moritz-Raupe mit einer professionellen Getriebeseilwinde, die über eine Zugkraft von fünf bis 7,2 Tonnen und eine Seilkapazität von bis zu 110 Metern verfügt, ausgestattet werden. Eine proportionale Seilgeschwindigkeit in beide Richtungen ermöglicht die Anpassung an verschiedene
Arbeitssituationen. Der Einbau und Ausbau der Seilwinde erfolgt werkzeuglos mit einem einfachen Hubgestänge.

 

Forstfräse Max

Lieferbar speziell für diese Raupe ist die Forstfräse „Max“ von Pfanzelt. Sie eignet sich für das Zerkleinern von Ästen, Sträuchern, Buschwerk, und kann auch Stöcke fräsen. Die Fräse erlaubt das Einarbeiten des Materials in die oberen Bodenschichten. Für eine zuverlässige Zerkleinerung des Materials wurden Gegenschneiden in die hydraulische Klappe integriert. Auch der Niederhalter wird nun hydraulisch variabel angesteuert. Optional ist eine hydraulische Seitenverschiebung für die Fräse erhältlich. Die Forstfräse verfügt über vierzig mit Hartmetall bestückte Rundmeißel, die dreiseitig verwendbar und spiralförmig am Rotor angeordnet sind. Die Moritz-Raupe bietet ein großes,  abschließbares Staufach, mehrere Ablagen und einen Halter für eine Motorsäge. Kraftstoffkanister und weiteres Zubehör finden hier Platz. Um das Arbeitsfeld optional  auszuleuchten, sind Zusatzscheinwerfer an zwei Positionen der Raupe möglich. Der klappbare Überrollbügel kann ebenfalls mit einem Zusatzscheinwerfer, der über die Funksteuerung ein- und ausgeschaltet wird, ausgestattet werden.

Dieter Biernath, Forstmaschinenprofi

 

Weitere Informationen zur Fachzeitschrift Forstmaschinenprofi finden Sie hier: https://www.forstmaschinen-profi.de/ 

 

 

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