KommunalTechnik - Aus dem Wald in die Welt

Der Moritz von Pfanzelt war zunächst eher als Fällhilfe konzipiert, aber mit der Möglichkeit, auch andere Werkzeuge anbauen zu können. Die zweite Generation ist nun noch mehr ein multifunktionaler Geräteträger. Allerdings ein besonderer.

Selbst wenn Sie eher als multifunktionale Raupenträger bezeichnet werden sollten: Bei den meisten Maschinen dieser Kategorie liegt der Einsatzschwerpunkt eindeutig beim Mulchen. Das gilt auch für den Moritz. Und in der Version Fr75, also in der Motorisierung mit 75 PS, ist das ganze besonders die Arbeit mit dem Forstmulcher. Dass der Moritz anders ist, sieht man aber auf den ersten Blick. Zum einen hat er eine relativ hohe Bodenfreiheit. Das ist gut, wenn Stubben im Weg sind, aber schlecht, wenn es um die Hangtauglichkeit geht. Um bei letzterem keine Einschränkungen zu haben, sind die Raupenfahrwerke teleskopierbar. Statt einer Außenbreite von 1,20 m in Transportstellung kann sie bei Bedarf auf 1,60 m erweitert werden. Zum anderen ist seine robuste Bauweise inklusive kompletter Forstausstattung ein verlässlicher Indikator, wo die Wurzlen der Maschine liegen: im Wald. Der Moritz wurde in einer Zeit entwickelt, als viele Forstbetriebe sogenannte UVV-Schlepper anschafften, kompakte Traktoren mit Seilwinde, die für mehr Sicherheit bei schwierigen Baumfällungen sorgen sollten. Pfanzelt präsentiert dazu eine besonders geländegängige Alternative auf Raupen, die aber immer noch mit einem üblichen PKW-Gespann transportiert werden konnte. Doch schnell war klar: Die Kunden wollen den Moritz vielseitiger einsetzen. Das ging zwar schon mit dem alten Modell, der neue Moritz kann aber erheblich mehr. Und zwar ohne seine Gene zu verleugnen. Seit Ende 2020 gibt es deshalb die zweite Generation. 

 

Kraftvoll

Doch genug der Vorrede, die aber sein muss, um das Konzept zu verstehen. Heute ist der Moritz in zwei Ausführungen erhältlich: als 50- oder 75-PS-Variante. Wir hatten die größere Motorisierung im Testeinsatz. Vor allem deshalb, weil wir die Forstfräse Max ausprobieren wollten, den Pfanzelt selbst produziert. Wir waren mit Ihm sowohl in den Brombeeren, in über 2 m hohem Schlehenaufwuchs als auch beim Anlegen von Rückegassen in einem rund zehn Jahre alten Bestand unterwegs. Es ist wirklich beeindruckend, was die Maschine da alles packt, ein bisschen Sensibilität beim Bedienen vorausgesetzt. Wird es zu viel, schaltet die Zapfwelle zum Schutz des Motors ab. Fährt man jedoch zu forsch an einen Stubben, wird der Motor abgewürgt, was sicherlich dem Turbolader auf Dauer nicht so gut tut. Eine ständige Anpassung von Fahrgeschwindigkeit und Arbeitstiefe ist deshalb nötig. Am besten ist es, kleinräumiger zu arbeiten, vorwärts mit offfener Mulcherklappe, rückwärts mit geschlossener. Dann sieht man, was man tut und das Arbeitsergebnis passt. Die Bedienung per Autec-Funksteuerung funktioniert ausgezeichnet. Während die meisten Raupengeräteträger ihre Arbeitsgeräte hydraulisch antreiben, hat der Moritz eine mechanische Zapfwelle, die natürlich verlustärmer ist und auch keinen Ölkühler benötigt. Wer trotzdem hydraulische Wekzeuge anbauen will, kann jedoch eine Leisutngshydraulik mit 96 l/min., 300 bar und Multikuppler ordern. Die Bordhydraulik fördert 18 l/min bei maximal 200 bar. Dazu kommt noch die Fahrhydraulik mit zweimal 11 kW. Die Forstfräse Max verrichtet Ihre Arbeit sehr gut. Die 40 hartmetallbestückten Rundmeißel - bei Verschleiß können sie noch drei Mal gedreht werden - eignen sich für verholztes Matrial, Brombeeren und Buschwerk. Mit dem Aufschluss waren wir sehr zufrieden. Aber natürlich wollten wir den Moritz auch mit Seilwinde einsetzen. Der Umbau ist keine große Sache. Die Unterlenker entsprechend Kat. 1. Der Mulcher ist flott abgehängt, die Seilwinde wird mit einem mitgelieferten Montagegestell und mit Hilfe des Hubwerkes eingehoben. Dann noch das Polterschild angebaut - fertig! Mit ein bisschen Übung dauert das weniger als 10 min und ist alleine zu bewerkstelligen. 

 

Üppiger Zug

Die Zugkraft der Seilwinde ist üppig. Es stehen drei Varianten mit 50, 60 und 72 kN zur Verfügung. Wir hatten die größte Version im Test. Bei einem Gewicht (ohne Winde) der Maschine von 1.405 kg muss man natürlich wissen, was man damit anfängt. Denn der Moritz ist keine ausgesprochene Vorlieferraupe mit entsprechendem Einsatzgewicht. Damit man die Zugkraft komplett ausreizen kann, muss die Maschine mit einem Schlupf an einem Ankerpunkt gesichert werden. Aber ganz ehrlich: Wann braucht man wirklich die vollen 72 kN? Beim Vorliefern selbst hat die Maschine genügend Traktion, auch bei schwierigen Bodenbedingungen gibt es kaum Schäden. Perfekt eignet sich der Moritz aber als Fällhilfe. Denn bei der Winde kann die Seilgeschwindigkeit proportional in beide Richtungen per Funksteuerung geregelt werden. Das funktioniert sehr gut und äußerst sensibel. Noch ein letztes Wort zum Fahrwerk. Die Ketten sind hydraulisch über das Doppelleitrad stets optimal gespannt. Das Herunterfahren ist nahezu unmöglich. Technisch hat Pfanzelt in den Moritz noch viele andere nützliche Features gepackt, zum Beispiel einen Cleanfix-Wendelüfter. Die Verarbeitung ist hochwertig, es gibt genügend Stauraum. Und auch an vermeintliche Kleinigkeiten hat man gedacht: Das Ladegerät für die Funksteuerung befindet sich an Bord. 

FAZIT: Der Moritz von Pfanzelt lässt sich kaum mit konventionellen Raupengeräteträger vergleichen. Er hat ein komplett anderes Konzept, sehr leistungsfähig und technisch wirklich durchdacht. Allerdings ist er nicht ganz billig. Für einen wirtschaftlichen Einsatz gibt es viele Anbaugeräte, das Programm wird sogar noch ausgebaut. Denn Effizienz lässt sich am besten über Auslastung erreichen. Der Moritz hat eine Stärke in Grenzbereichen. Dort, wo andere nicht hinkommen. 

 

Johannes Hädicke, 
Redaktion KommunalTechnik

 

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