Forstmaschinenprofi - Gläserne Wiederaufforstung

Der Ausfall der KWF-Tagung 2020 bietet den Vorteil, das Gelände schon lange im Voraus zu kennen. Und auch dem eigentlich unglücklichen Umstand einer von Sturm und Borkenkäfer vernichteten Waldfläche lässt sich noch Positives abgewinnen: wenn diese Fläche genutzt wird, umfangreiche Daten zur Wiederaufforstung zu gewinnen und Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Aufforstung von Schadflächen beurteilt Pfanzelt Maschinenbau als „sehr wichtig, da wir hier auch Möglichkeiten einer schonenden Wiederaufforstung mit dem Moritz sehen. Da wir wegen der Verschiebung der KWF-Tagung die einmalige Chance haben, das Messegelände im Wald bereits mehrere Jahre im Voraus genau zu kennen, haben wir uns entschieden, ein interessantes Projekt zu beginnen“, berichtet Peter Voderholzer, Marketing-Verantwortlicher bei Pfanzelt.

Die Bundesforsten als verantwortlicher Forstbetrieb für die Fläche, das KWF und die Firma Pfanzelt – die hier den Hauptpart übernimmt – sowie weitere Partnerfirmen starten ein Aufforstungsprojekt auf einer 1,5 Hektar großen Fläche, bei dem zwei Moritz-Forstraupen entscheidend mitspielen. Die Fläche liegt zentral auf dem Messegelände im hessischen Schwarzenborn und wird im Jahr 2024 inmitten der Messestände eine gute Gelegenheit bieten, das Projekt und die eingesetzte Technik den Besuchern vorzustellen. Pfanzelt denkt hier vor allem auch an Waldbesitzer, die eventuell nicht die Exkursion sondern nur die Ausstellung der KWF-Tagung besuchen. Ihnen wolle man die Erkenntnisse einfach erklären und veranschaulichen.

Mitte Dezember ging es mit den Vorbereitungen los auf der Fläche, die vom Borkenkäfer komplett vernichtet wurde. „Wir starten dabei auf den geräumten Flächen mit dem Anlegen von Pflanz- beziehungsweise Sä-Streifen und werden im zweiten Arbeitsgang mit den zwei Moritz und unserer neuen Pflanzmaschine pflanzen und mit der Sä-Streifenfräse säen“, erläutert Voderholzer. Gepflanzt beziehungsweise gesät werden sollen zu 70 Prozent (Trauben-)eiche und zu 30 Prozent Douglasie. Dies allerdings erst
im Laufe des Februar erfolgen – soweit schneefrei. Danach wird die Fläche umzäunt und bis zur KWF-Tagung sowie auch darüber hinaus gepflegt, um die Entwicklung zu dokumentieren. Die Pflege wird dabei soweit möglich mit einem Moritz mit Forstfräse Max durchgeführt und händisch unterstützt. Unter dem Stichwort „naturnahe und nachhaltige Aufforstung auf einer Kalamitätsfläche“ wolle man so ohne den Einsatz von Großtechnik beim Aufforsten und der Pflege neue Wege gehen, beschreibt Voderholzer das Projektziel.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Datenerfassung: Um alle Aufgaben, die von den Moritz erledigt werden, dokumentieren zu können, wurden die Maschinen mit Datenloggern ausgestattet, die sowohl die Arbeitszeit, den Dieselverbrauch, als auch die Flächenleistung und weitere Daten für das Projekt erfassen. Das verwendete System liefert die Firma Exa Computing GmbH und nennt sich Exatrek.

 

Anspruchsvolle Fläche
Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass die Fläche in vielen Bereichen anspruchsvoll ist, unter anderem weil das Gelände durch die Nutzung der Bundeswehr Überreste von Schützengräben und andere Erdbewegungen aufweist. Auf der Fläche befinden sich zudem noch die Stöcke der Käferbäume, teilweise die Gipfel und auch ganze  Abschnitte, die sich nicht für eine Nutzung eigneten. Auf den Einsatz einer großen Forstfräse oder eines Mulchers wird bei diesem naturnahen Ansatz aber verzichtet, Peter Voderholzer erklärt: „Deshalb haben wir die Hilfswinde am Moritz genutzt, um die Gipfel und Abschnitte so auf der Fläche zu platzieren, dass sie nicht stören. Die Hilfswinde ist beim Moritz als zweites Anbaugerät neben der Forstfräse angebaut und so immer mit dabei.“

Die Fläche bietet noch mehr: einiges an Naturverjüngung sowie sehr sensible, nasse Bereiche. Neben einzelnen kleinen Tümpeln weisen auch einige alte Rückegassen teilweise sehr tiefe Furchen auf, die schnell mal voll Wasser stehen. Aufgrund dieser besonderen Geländebedingungen mussten die Verfahren für Pflanzung und Saat angepasst werden. Als geeignet erwies sich eine Kombination aus Streifen für die Saat beziehungsweise Pflanzung und Pflanzquadraten der Größe acht mal acht Meter. Diese Pflanzquadrate sind auch die Praxis bei den Bundesforsten.

 

Zahlen, bitte
Der erste Einsatz ergab 1,8 Kilometer Pflanz- und Sä-Streifen sowie 32 Pflanzquadrate. Auf vier Pflanzstreifen mit je rund 75 Meter Länge soll gesät werden. Der Rest wird bepflanzt. Bedingt durch das mit den Bundesforsten erarbeitete Raster werden somit 2.300 Containerpflanzen gesetzt. Peter Voderholzer bilanziert außerdem: „Wir benötigten für das Fräsen der Flächen inklusive der Zauntrasse, die 500 Meter lang und zwei Meter breit ist, rund 1,5 Arbeitstage und 160 Liter Diesel.“

 

FORSTMASCHINEN-PROFI begleitet das Projekt und berichtet regelmäßig über den Fortgang.

 

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