LANDWIRT - Getriebeseilwinde für den Bauernwald

Getriebeseilwinden waren bislang nur für Profis mit entsprechend schwerem Gerät interessant. Mit der S-line Baureihe bietet Pfanzelt diese Technik auch für kleine Traktoren im Bauernwald an. Zusammen mit der FAST Ort/Gmunden haben wir die S160 in der Praxis getestet.

Bislang waren Getriebeseilwinden schwer und teuer. Der deutsche Forstmaschinenhersteller Pfanzelt ist aber von dieser Technik überzeugt und produziert ausschließlich Seilwinden mit Getriebe. Die Allgäuer haben sich zum Ziel gesetzt, eine leichtere und für Waldbauern erschwingliche Getriebeseilwinde zu entwickeln. So ist die S-line Baureihe mit drei Typen entstanden: S150 mit 5 t, S160 mit 6 t und das Topmodell S172 mit 7,2 t Zugkraft. Diese Seilwinden für den „S“emiprofi-Betrieb sind weitgehend mit derselben Technik ausgestattet wie die „P“rofi-Typen, sind aber schwächer dimensioniert, haben ein schmäleres Rückeschild und sind daher leichter. Das Gewicht der S-Modelle liegt zwischen 470 und rund 600 kg. Die Profi-Getriebewinden von Pfanzelt beginnen je nach Ausstattungsumfang erst bei rund 620 kg. Nichtsdestotrotz gibt es auch bei der S-line wie bei den Profi-Typen drei Jahre Garantie auf das Getriebe. Noch größer ist der Unterschied beim Preis: Die S-line-Serie beginnt in Serienausstattung bei rund 7.300 Euro inkl. 20 % MwSt. und ist damit nur unwesentlich teurer als Kettenseilwinden des Mitbewerbs. Für eine Profi-Getriebeseilwinde von Pfanzelt mit vergleichbarer Zugkraft muss man fast das Doppelte auf den Tisch legen. Für unseren Praxistest hat uns der Hersteller die S160 mit einer Zugkraft von 6 t und serienmäßiger Funksteuerung zur Verfügung gestellt.

Gutes Handling

Die S160 ließ sich problemlos an den Dreipunkt unseres Steyr 4095 Multi anbauen. Die Ausführung der Windenabstützungen erschien uns zunächst etwas ungewohnt. Sie erwies sich aber in der Bedienung und durch einen stabilen Windenstand als zweckmäßig. Ober- und Unterlenker lassen sich ohne Anheben der
Hydraulik vom Transportgestell aus gleichzeitig anbauen. Die Anhängepunkte sind so optimiert, dass sich die Winde beim Anheben kaum zum Traktor neigt. Leider wird aber die Gelenkwelle relativ stark abgewinkelt. Bei der Arbeit sollte der Oberlenker so eingestellt sein, dass das Rückeschild 10–15 Grad nach hinten geneigt ist. Dadurch verbessern sich die Fuhrenbildung sowie das Fahrverhalten in Kurven. Die Form des Rückeschildes wurde sowohl beim Lastzuzug als auch beim Lagern vom Testteam gelobt. Pluspunkte gab es auch für die praktischen Haltevorrichtungen. Die Motorsäge lässt sich auch verkehrt „einstecken“. Dadurch wird eine Beschädigung traktorseitig verhindert. Auch für Kanister und weiteres Equipment gibt es Ablagefächer, die sich zum Teil sogar mit einem Deckel verschließen lassen. Vermisst haben wir eine Sappelhalterung und Aufhängevorrichtungen für die Rückeketten. Die Kettenschlitze sind leider nicht zweckmäßig. Daher haben wir meist das Schutzgitter als Kettenfang verwendet. Dieses lässt sich für Straßenfahrten und zum Abstellen einfach herunterklappen. Für das vorgeschriebene Mitführen der Bedienungsanleitung gibt es ein verschraubbares Kunststoffrohr. Die Anhängekupplung zum Nachziehen eines Wagens ist auf der rechten Rückwandseite des Schildes gut verstaut und so immer dabei. Sie ist nicht typisiert und lässt sich bei Bedarf einfach am Rückeschild anbauen.

Konstante Zugkraft und PPS Controller

Die Seilwinde wird von der Zapfwelle über ein Stirnrad- und Schneckengetriebe und die Hauptwelle angetrieben. Die Sintermetall-Lamellenkupplung liegt im Inneren der Seiltrommel. Dadurch hat diese Winde einen großen Trommelkerndurchmesser. Das bewirkt einen sehr geringen Zugkraftabfall von nur 22 % (60 kN auf 47 kN). Die Bremse ist seitlich an der Seiltrommel angebracht und ist ebenfalls in Sintermetall-Lamellentechnologie ausgeführt. Ein Highlight ist der einzigartige PPS-Controller: Bei der S-line-Winde lässt sich die Überschneidung von Kupplung und Bremse für unterschiedliche Anwendungsbereiche in drei Stufen anpassen. Für das Holzrücken im ebenen Gelände ist eine „normale“ Überschneidung ausreichend. Für das Umziehen von Bäumen bringt eine „strenge“ Überschneidung mehr Sicherheit, da das Seil nicht nachlaufen kann. Wer die Überschneidung ständig auf „streng“ stellt, riskiert einen erhöhten Verschleiß von Kupplung und Bremse. Bei der Kontrolle am Seilwinden-Prüfstand der FAST Ort/Gmunden ergaben sich keine markant schlechteren Überschneidungsergebnisse bei Stufe A gegenüber den Stufen B und C.

Seileinlaufbremse und Seilausstoß

Die Seilwickelvorrichtung unseres Testkandidaten mit den Optionen Seileinlaufbremse und Seilausstoß wurde gelobt. Sie ist zweckmäßig und arbeitet zuverlässig. Der Seilausstoß wird mechanisch über eine Kette angetrieben. Den Kraftschluss vom Seil zur Antriebsrolle erzeugen die über Blattfedern vorgespannten Anpressrollen. Zum Nachspannen der Blattfedern mit dem Schraubschlüssel muss die Trommelabdeckung entfernt werden. Die Seileinlaufbremse wird ebenfalls hydraulisch angesteuert und funktioniert über das Anpressen des Seils durch einen Bremsklotz an eine Führungsrolle. Die elektronische Trommelnachlaufsteuerung soll das Auflaufen des Zugseiles auf der Seiltrommel verhindern. Vor allem bei stark angespannten Seilen kommt es beim Lösen der Bremse häufig zu einem „Seilsalat“. Bei der S-line-Winde wird das durch eine spezielle Elektronik verhindert, welche die Bremse nur ganz langsam öffnet. Der Impuls dazu wird durch ein kurzes Antippen des Bremsschalters, vor dem eigentlichen Öffnen der Bremse, gegeben. – Eine gute Alternative zu den weit verbreiteten Stotterbremsen.

Serienmäßige Funksteuerung

Die Winde wird elektrohydraulisch angesteuert und ist serienmäßig mit einem Elca-Funk ausgestattet. Der Empfänger ist auf der Seilwinde montiert – leider ungeschützt. Ebenso gibt es eine „Notfall“-Kabelsteuerung an der Winde. Sämtliche Ventile und Leitungen sind durch Bleche, die sich bei Bedarf abschrauben lassen, gut geschützt. Für den Anwender eine interessante Weiterentwicklung ist die transparente Abdeckung der Windentrommel. Zum exakten Wickeln der ersten Seillage muss sie allerdings mit vier Inbusschrauben demontiert werden. Großen Anklang fand auch der Handschutz „Tutum“: eine gute sicherheitstechnische Ausstattung gegen das Einklemmen der Hand bei Fehlbedienung der Funksteuerung beim Seilausziehen. Der Kunststoffteil ist zwischen Seileinlauf und dem ersten Seilgleiter montiert. Durch den etwa 13 cm langen „Tutum“ wird allerdings auch die Anhebehöhe des Holzes reduziert. Das kann sich, durch den relativ niedrigen Seileinlauf, in manchen Fällen als Nachteil erweisen. Das Argument der Arbeitssicherheit ist allerdings vordergründiger. In Serienausstattung kann man die S160 laut Preisliste schon um rund 9.000 Euro inkl. MwSt. erwerben. Unser Testkandidat in Vollausstattung kostet hingegen 13.644 Euro inkl. MwSt.

 

LANDWIRT Bewertung

+ geringer Zugkraftverlust
+ Wickelvorrichtung
+ transparente Trommelabdeckung
+ hydromechanischer Seilausstoß
+ Funksteuerung
+ Anhängegeometrie
+ Gelenkwellenablage
+ stabile Windenabstützung
+ Rückeschild
+ klappbares Schutzgitter
+ Handschutz „Tutum“
+ PPS-Controller
+ geschützte Ventile und Steuereinheit
+ Haltervorrichtungen für Motorsäge und Kanister
+ Anhängevorrichtung
+ wasserdichte Aufbewahrung der Betriebsanleitung
– Abwinkelung der Gelenkwelle bei angehobener Winde
– ungeschützter Funkempfänger
– keine Sappelhalterung
– keine Dorne für Würgehaken
– Schlitze für Kettenaufhängung

 

Siegfried Sperrer arbeitet an der Forstlichen Ausbildungsstelle Ort/Gmunden des BFW, Johannes Paar ist LANDWIRT Chefredakteur.

 

Landwirt: Pfanzelt S160 Seilwinde im Praxistest

Videotipp: Pfanzelt S-line Seilwinde im Test

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